Gedichte aus meiner Kindheit, Jugend und Erwachsenenzeit.

WERKZEUG DES FRIEDENS
1992

Pistolen, Messer, Dolche, Stricke,
Panzer, Gewehre, Kanonen…
– alles Werkzeuge der Gewalt.
Nenn’ mir ein Werkzeug des Friedens,
Du wirst staunen:
Man kann es nicht mit den Händen berühren.
DIE LIEBENDEN
1995

Wenn alle Liebenden zusammen,
Alle Herzen steh’n in Flammen,
Und alles neu, so gut und schön,
Obwohl man Angst hat hören geh’n,
Wenn jeder Windhauch prophezeit,
Daß hierauf folgt nur Einsamkeit,
Auf die so stark entfachte Glut,
Dann sind wir beiden, du und ich,
Einander gut.

Und traust du dich zu sagen,
Was tief in deinem Innern dich bewegt,
So werde ich dich fragen,
Ob meines Atem Hauche dich belebt,
So wie die Blume blüht, wenn Sonne sie bedeckt,
So wie die Glut durch zarte Luft
Ein Feuer facht so groß.

Doch kommt der Tag, wo alles wird zerbrechen,
Ich gehe fort, allein, ohn‘ Unterlaß,
Werd‘ suchen eines friedlicheren Ortes,
Wo Gott mag schlichten meinen Haß.
Und eines Tages sehe ich dich wieder,
Die Glut in meinem Herzen fängt zu brennen an,
Das Feuer, das von dir entfacht, wird größer,
Und als du mich erblickst,
Bin ich verbrannt.
KIND DER WELT
1998

Ein Blick auf die Zeit verrät mir,
Daß ich müde geworden bin.

Meine Hoffnung darbt
An der Gleichgültigkeit,
Wird sie an ihr zerbrechen?

So gebe ich mich hin dem Strom der Zeit,
Lese Vergangenheit und Zukunft;

Im Rhythmus meiner Selbst
Will ich mich finden,

Will ich die Ängste und die Sehnsucht
Nach Geborgenheit erfahren
Und die Konturen meiner Stille klar umreißen.

Angst hab’ ich nicht, doch weiß ich,
Daß der Tod mich nicht verdient,
Der viele Seelen einverleibt.

Ich will allein mit mir im Untergang
Noch einmal hier geboren werden

– Ist diese Welt auch nicht die meine,
Ich liebe sie und ihre Kinder.
ZEIT ZU SEIN
2012

Erinnerungen aus tausend Träumen
Erblicken mich, ich schweige.
Und schaue zu, schwelge hinein, spüre Substanz.
Keine Distanz hält mich zurück,
Ich war, ich bin, ich bleibe.

Würde mich gern mehr verbinden
Mit dem, was ich einst wußte,
Bei Flackerschein und Schummrigkeit
Gar gern davon erzählen.

So viel wir alle zu erzählen haben,
Wir sind die kühnsten Entdecker.

Wenn sie nur wüßten!
Wenn sie nur wollten!

Angst haben sie
Vor ihrer eigenen Wahrheit – 
Was kann ich tun? Frag ich da.
Mach' ich mich präsent, mach' ich mich rar?

Spiel bleiben muß es,
Und doch voll respektiert.
Kennen sie ihre eigenen Welten nicht,
Oder haben sie einfach vergessen?
Mir scheint, sie wollen besitzen,
Was ja nicht zu besitzen geht.

Wo beginnt der eigene Horizont,
Wo hört er auf?
Was läßt dich hinterfragen,
Was öffnet deinen Geist?
Was öffnet dein Herz?

Das Herz bedingungslos zu öffnen und,
Wenn es denn passiert, zu sterben,
Anstatt andere zu töten.

Und wer weiß. Vielleicht bringt
Das bedingungslos geöffnete Herz
Uns nicht das Sterben,
Sondern das Leben.
DIES SIND DIE ZEITEN
2015

Dies sind nicht die Zeiten der stillen Akzeptanz,
Dies sind die Zeiten des Redens, des Streitens,
Des Tanzens, des Begehrens, des Störens,
Des Verdrehens, des Verkehrens;

Und vielleicht ist dies besser als die Zeiten
Des Schweigens, des Verharrens im Schein,
Des Unantastbarbleibenwollens und der Angst
Vor Berührung, vor Zerstörung, vor Genesung.

Dies sind nicht die Zeiten der völligen Ruhe,
Dies sind die Zeiten des Hammers,
Der auf den Tisch gefallen ist,
Der das Spiel neu sortiert;

Und wer will mich strafen, daß ich läch'le,
Wenn das Leben so stark atmet, so wild rennt,
Durch die Gärten seiner Seelen, deren Herzen
So stark klopfen, daß die ganze Welt am Beben ist?

Manchmal, da schaue ich leise in den Wind,
Der durch die Augen aller Wesen weht,
Dorthin, wo die Geschichten noch am blühen
Und die Kinder die Könige der Träume sind;

Dort allein verbringt mein Herz seine uralte Wacht,
Beschützt es Freude, Spiel und Güte,
Weiß es um das Ahnen der Lebensmitte,
Weiß es, daß wir ganz sind und Illusion die Schwärze der Nacht.
DER SPIEGELBERG
2016

Ich ging in Welten kühn, die ich nie hatt’ vernommen,
Belebte mancher Seele ehern Hauch,
Durchflog die starren, kühlen Wände mal beklommen,
Mal voller Furcht, doch niemals gab ich auf.

In unbekannten Gärten sucht’ ich Pfade,
Zu einem Leben, das ich nie gekannt
Und kam an einen Brunnen meiner Frage,
Wo unter Mond an Mitternachten dort ein Jüngling stand.

Mein Herz, das machte sieben Weltmeerschläge,
Wie eine Uhr schlug es im zarten Stundenglas,
Wir schwiegen und doch zog es in uns rege,
Ein mystisch Band, das Seelen ineinanderlas.

Wie wir so standen, da blühte auf der Garten,
Den ich so lange einst gesucht, doch niemals fand,
Und ich erkannte in dem Jüngling alle Gärten,
Und er kam zu mir, zu öffnen seine Hand.

Da sah ich das Geheimnis dieses Jungen,
Behütet lag es da vor mir im Wind,
Es war mein Herz in seinen Händen tief umschlungen,
Dasselbe Herz, das ich einst an ihn gab (als Kind…).

Jetzt sang die Minne mir die Antwort auf die Frage
Zurück all das, was ich einst hatt’ gewußt,
Der Spiegelberg verlor all seine Klagen,
Und es verlangte beiden nach dem Kuß.

So ging ich hin zu ihm und öffnete die Hände,
Die meinen, in denen sein Herz so lang schlug,
Und unser beider langes Warten fand ein Ende,
Es war dasselbe Herz, das ich auf Händen trug.
ARIADNES LIED
2020

Ich wusste, meine Fragen würden ins Leere laufen,
Würde nur andere ich fragen;
Die Helden riefen mich kühn, „Reise,
Folge deiner Liebe in die Dunkelheit!“

Steinig war der Pfad, und dornengespickt,
Doch wäre die Rose mir verborgen geblieben, hätte ich nicht die Wildnis passiert,
Und blind wäre ich geblieben für die Zeichen,
Hätte ich den Dämonenbaum gemieden.

Labyrinthisch,
Die Macht der Logiker,
Verschleiertes Füllhorn –
Ich bin ein Hüter des Windes.

Viele kamen, viele dienten, doch wer sah
Die Visionen der sich anbahnenden Zukunft?
Ich ritt mein purpurnes Ross, stolz,
Die Stille zu vernichten, die in die Herzen gefallen war.

Und als ich endlich des Minotaurus' Innerstes erreichte,
Wie überrascht war ich zu begreifen, dass wir geküsst
Schon vor tausend Monden –
Dieser Spiegel, den ich Äonen gekannt: meine Liebe.
IM TRAUM
2023

Des Nachts,
wenn ich dich durchwandere
wie ein Haus,
dessen Schlüssel du mir anvertraust

und deine Geheimnisse erkunde
wie Geschichten,
die nur für mich geschrieben sind,

das Buch deiner Seele,
das mich einlässt
und nicht mehr hinaus,

aus deinen Landkarten und Räumen,
den betretbaren Welten der Ideen,

wenn deine Präsenz
meinen diebischen Erkundungsgang
mit einem Lächeln beendet,

und du dich freust,
weil ich zu weit gegangen bin,
als sei ich irgendeine Trophäe
der unhaltbaren Gedanken,

wenn du mich küsst,
als gäbe es uns,
als wären wir einander Anker
in sturmböigen Traumwirrungen,

durch die nur unsere Lippen
unsere Zwischenwelthaftigkeit
in unsere Herzen schreiben können,

während wir ineinander ertrinken,
als würde es den Morgen nie geben,
als hätten wir irgendeine Wahl,

als seien wir die Antwort
und die Frage.