Einige der Gedichte, die über die Jahrzehnte seit meiner Kindheit entstanden sind. Was ich am poetischen Schreiben immer geliebt habe, ist die Möglichkeit, kryptisch und metaphorisch Gedanken in die Welt zu bringen. Dies ist ein fortlaufendes Projekt. Gelegentlich werden alte und neue Gedichte im Repertoire auftauchen.

© The River Dreams Publishing. All rights reserved.
Frieden • Werkzeug des Friedens • Traumwelt • Licht • Schicksal • Das Licht • Seelenpuzzle • Das Ende • Die Liebenden • Kind der Welt • Licht im Spiegel • Einmal werde ich • Ist es das, was die Menschen wollten? • Abenddämmerung • Wir sind die Berge • Briefe in Sand • Der ewige Atem der Liebe • Die Erdenwelt • Traum: Die Weihe • Der innere Seth • Zeit zu sein • Drum bin ich zärtlich zu der Welt • Dies sind die Zeiten • Der Spiegelberg • Ariadnes Lied • Traum • Traumgeboren • Tod und Kuss • Heilig • Nie endete der Schlaf das Licht • Im Traum

FRIEDEN
1990
Frieden ist etwas,
das es auf der Erde nie geben wird,
weil die Menschen zu dumm sind,
um einzusehen,
daß sie nicht über andere,
sondern über sich selbst herrschen sollen.
WERKZEUG DES FRIEDENS
1992
Pistolen, Messer, Dolche, Stricke,
Panzer, Gewehre, Kanonen…
– alles Werkzeuge der Gewalt.
Nenn’ mir ein Werkzeug des Friedens,
Du wirst staunen:
Man kann es nicht mit den Händen berühren.
TRAUMWELT
1992
Ich zittere,
ein Windhauch löst mich aus meinen Träumen,
die sich wie eine endlose Kette aneinanderreihen
und doch unerreichbar sind.
Meine Gedanken klammern sich fest an diesen Träumen,
lassen sich nicht lösen.
Ich kann mich nicht konzentrieren,
es ist wie eine Leinwand vor meinen Augen,
auf die ich ständig zu sehen scheine –
und doch ist alles so unbegreiflich weit entfernt.
LICHT
1993
Du bist einsam,
Ich bin einsam,
Und ich verstehe langsam,
Was das heißt.
Einsamkeit –
Was ist das überhaupt?
Du behauptest,
Du wissest es,
Ich weiß es nicht,
Kann es nur fühlen,
Schmerz und
Endlose Leere.
Denken?
Nein, der Verstand
Zählt nicht.
Schau in dich, suche
Und finde
Das, was du verloren
Hast, finde
Dich selbst.
LICHT
SCHICKSAL
1993
Gerade sah ich dich
In Lebensgröße vor mir stehen.
Und jetzt – weg!
Ein Traum! – wie eine
Seifenblase zerplatzt.
Einfach wieder verschwunden.
Einfach –
Oh nein! Einfach will ich es
Dir nicht machen.
Ich werde dich für immer
Gefangenhalten.
Auch wenn du denkst,
Du hättest es geschafft,
Dann ist da immer noch
Dieser eine dünne, unsichtbare,
Doch unzerreißbare Faden,
Der uns zusammenhält.
Sieh‘ doch ein,
Daß es keinen Zweck hat,
Vor dem Schicksal davonzulaufen.
DAS LICHT
1993
Kälte – ich erfriere!
Doch da ist wieder dieses seltsame,
Helle Licht,
Das Wärme mit sich bringt,
Licht, das nicht alle Menschen sehen,
Licht, das manchmal unglaubliche Kraft verströmt,
Licht, das von der Liebe ernährt wird,
Die vom Licht erwärmt wird –
Und wenn ich weine,
Dann ist mir das Licht am nächsten.
SEELENPUZZLE 1993 Siehst du – sage ich, Doch du siehst weg; Weißt du – frage ich, Doch du willst nicht wissen; Meinst du – sage ich, Doch dir ist alles gleichgültig. Dann sehe ich dir in die Augen Und entdecke diesen ewigen Funken, Der auch mich beherrscht, Und der mir verrät, daß Auch du zwei Seelen hast.
DAS ENDE 1993 Die Zeit lässt die Dinge zerbrechen Alles hat ein Ende Alles – selbst die Liebe zerbricht Und Gefühle sterben Gerade wenn der Tag anbricht ist das Ende da Ende des Tages Ende des Lichts Augen leuchten hell – und sterben dann
DIE LIEBENDEN
1995
Wenn alle Liebenden zusammen,
Alle Herzen steh’n in Flammen,
Und alles neu, so gut und schön,
Obwohl man Angst hat hören geh’n,
Wenn jeder Windhauch prophezeit,
Daß hierauf folgt nur Einsamkeit,
Auf die so stark entfachte Glut,
Dann sind wir beiden, du und ich,
Einander gut.
Und traust du dich zu sagen,
Was tief in deinem Innern dich bewegt,
So werde ich dich fragen,
Ob meines Atem Hauche dich belebt,
So wie die Blume blüht, wenn Sonne sie bedeckt,
So wie die Glut durch zarte Luft
Ein Feuer facht so groß.
Doch kommt der Tag, wo alles wird zerbrechen,
Ich gehe fort, allein, ohn‘ Unterlaß,
Werd‘ suchen eines friedlicheren Ortes,
Wo Gott mag schlichten meinen Haß.
Und eines Tages sehe ich dich wieder,
Die Glut in meinem Herzen fängt zu brennen an,
Das Feuer, das von dir entfacht, wird größer,
Und als du mich erblickst,
Bin ich verbrannt.
KIND DER WELT
1998
Ein Blick auf die Zeit verrät mir,
Daß ich müde geworden bin.
Meine Hoffnung darbt
An der Gleichgültigkeit,
Wird sie an ihr zerbrechen?
So gebe ich mich hin dem Strom der Zeit,
Lese Vergangenheit und Zukunft;
Im Rhythmus meiner Selbst
Will ich mich finden,
Will ich die Ängste und die Sehnsucht
Nach Geborgenheit erfahren
Und die Konturen meiner Stille klar umreißen.
Angst hab’ ich nicht, doch weiß ich,
Daß der Tod mich nicht verdient,
Der viele Seelen einverleibt.
Ich will allein mit mir im Untergang
Noch einmal hier geboren werden
– Ist diese Welt auch nicht die meine,
Ich liebe sie und ihre Kinder.
LICHT IM SPIEGEL
1998
Verruchte Viertel, in denen
Sich wie bei Erde und Mond
Ein Licht im Spiegel betrachtet.
Ein zaghaftes Lächeln entschwindet,
In säumigen Falten verhüllt,
Und ganz ohne Grund verachtet.
Die Melodie einer Flöte,
Gespenstisch verknotet im Lauf,
Geht Leitern, nach unten gepachtet,
Mit quadrierten Vierteln gemästet
Und doch fast wie Balsaholz;
Im Duo zu obertonlastig.
Eine knarzende Schwingtür mißhandelt
Zwei Zahnräder, eisern gebraucht,
Uneinig abnutzend verhaftet.
Die Rache der Räder ist ölig,
Ihr Schrei hat den Menschen gestört,
Befleckt ruht die Tür nun und wartet.
Verruchte Viertel, in denen
Sich wie bei dir und mir
Ein gemeinsames Lied selber spielt –
Die Melodie einer Flöte,
Verknotet, gestört und verbraucht,
Doch ganz ohne Grund verachtet.
EINMAL WERDE ICH
1998
Einmal werde ich mit mir
Zusammen die ganze Welt erobern.
Dann gibt es nichts mehr,
Was mich trennt von mir
Und allem, was mich quält.
Dann bin ich frei
Von diesen, die mich jagen,
Frei von denen, die, ganz unscheinbar,
Sich drängen und mein Leben tragen.
Wie kann ich bloß die Welt erobern,
Ohn' Angst, nicht Freund,
Nicht Feind zu sein
Und einsam, ganz allein
Zu sterben?
IST ES DAS, WAS DIE MENSCHEN WOLLTEN? 1999 Ist es das, was die Menschen wollten, Nach all den versagten Revolten, Den Jahren voll Scheinkrieg und Streit, Ist es jetzt wieder so weit? Gibt es jetzt wieder Berge von Toten, Ist Freiheit bald wieder verboten, Wird das Leben nun wieder zum Spiel, Das als Kinder wir spielten recht viel? Heißt das Motto nun wieder verstecken, Bis die Ketzer fast alle verrecken, Bist fast keine Brücke mehr steht Und die Welt sich beinah nicht mehr dreht? Ist's jetzt wieder mal so weit, Für Jahre voll Bomben und Leid, Für durch Hoffnung gesprengte Revolten, Ist es das, was die Menschen wollten?
ABENDDÄMMERUNG
2006
Ich wische mir den Unmut vom Gesicht,
Wie nun der Mond aufsteigt;
Die Abenddämmerung bringt Antworten
Über vergangene Zeiten, vergangene Wege.
Im Versuch, ihrem Rat zu folgen
– „Blicke auf die Zukunft!” –
Zerstreut sich mein Geist,
Blickt er auf die vielen Bilder,
Hört weit entfernte Rufe,
Von Stimmen nie gehört.
Und mein Körper:
Endlose Kette der Erinnerungen;
Ich rüttele mich wieder wach,
Noch immer danach strebend,
Ihrem Rat zu folgen:
„Blicke auf die Zukunft!”
Wie wird die Sonne dämmern?
Und warum ist der Helm der Wahrheit
Schutz und auch der Grund des Falls?
Beides süße Täuschung, süßer Wahn.
Doch ich bin nicht mehr sie,
Sie, die auf Erfüllung wartete,
In endlosem Brauchen
Des Rufes nach Zugehörigkeit.
Ich bin jetzt ich.
Und wo ich mich einst fragte,
Was würde sein,
Wenn ich einst wäre,
Was andere geworden sind –
Kann ich nun lächeln,
Ein wenig, und sagen:
Seht Ihr? Wir sind hier…
WIR SIND DIE BERGE
2006
Diese Berge
Tragen das Gesicht der Barriere;
Ich kletterte einige von ihnen hoch,
Und von ihren Graten aus
Wurde die weite Sicht nur von den Wolken verblendet.
Ich hörte den Klang des Meeres
Und ich fühlte die Winde,
Und die einzige wirkliche Barriere, die ich fand,
War meine eigene Stärke,
Meine eigene Schwäche...
Seelen sind die Berge!
Wir werden unsere Wolken!
Die Wolken sind der Nebel des Krieges,
Sie löschen die Strahlen der Sonne
Auf den Blumenfeldern aus.
Oft weiß ich nicht;
Es ist in solchen Momenten, daß ich mich vorlehne
Und springe, um zu fliegen...
BRIEFE IN SAND
2009
Er schien durch den Spalt der Seele,
Sprach mit dem kindlichen Ich,
Das Kind antwortete lächelnd:
„Ich kann dich hören, nun sprich!"
Er freute sich und blies die Fanfaren,
Sie hörte geduldig ihm zu,
Er erzählte von Meer und Spiralen
Und Seelen voll Information.
Der Ort, an dem sie sich trafen,
War'n nicht die Berge, die sie erklomm,
Es war ihre kindliche Seele,
Die im Antlitz seiner strahlenden Brandung erglomm.
Das Kind steht noch immer dort in den Bergen
Und hört dem weisen Mann zu,
Der sitzt schweigend auf der Hoffnung,
Der hofft ewig und hält den Kreis zu.
Ich rüttele nun an der Kerbe,
Die ich als Kind im Kreis fand;
Ich rüttele und rüttel' und sterbe,
Und schreib' meine Briefe in Sand...
DER EWIGE ATEM DER LIEBE
2010
Oft, bei Sonnenuntergang,
Ist mir die Ferne nah.
Durchflossen von Vernunft und Weisheit,
Bade ich in dem einen Feuer,
Das mein Wasser läutert.
Oft, im entfernten Ruf von Zukunftserinnerung,
Höre ich den Ozean sanft singen,
Wellende Töne,
Die durch mein ganzes Wesen schwingen.
Dann wünsche ich mir,
Daß er mich konsumiert.
Der ewige Atem der Liebe.
DIE ERDENWELT
2010
Deine Seele ist der Bogen zu den Farben meines Geistes,
Durch den ich reise mit meinen ungesehenen Flügeln.
Wir kommen zusammen, deine Augen werden zu den Fenstern,
Mit denen ich die mystischen Lande bereise, wir fliegen vereint.
So seltsamst ist es, wenn ich dich in meiner Welt treffe,
Denn du bist ich, und doch reisen wir separat,
Können in Dualität uns treffen, zwei sich sehnende Teile,
Zwei Leute im Morgennebel, die sich weigern, aufzuwachen.
Hinein in die irdische Welt, die schläft,
Die sich kaum traut zu träumen,
Wo sogar die wachesten Gemüter beinahe verlieren
Den Sinn für ihre Bestimmungen, die Liebe in ihren eigenen Herzen.
Wir reisen weiter, du wählst den rechten Weg, ich den linken,
Für immer verbunden, spielen wir das ewige Spiegelspiel
Des Zusammenkommens, des sich Trennens,
Der Stille in Frieden und des Rufes nach einander.
Unendliche Erneuerung erwartet uns wieder und wieder,
So reisen wir hier hin, auf die Erdebene,
Zu erfahren Sterblichkeit, Endlichkeit, Ende und Tod,
Zu erfahren das Unmögliche in der Ewigkeit.
TRAUM: DIE WEIHE
2010
Wieder nackt, habe ich mich von der Gesellschaft zurückgezogen,
um einen neuen Weg einzuschlagen.
Nun stehen sie in Gewändern um mich herum,
preisen etwas, das ich noch nicht begreifen kann.
Ihre Haare sind kahlgeschoren, und selbst jetzt, wo ich hier stehe,
frage ich mich, ob es einen wahren Weg für mich gibt.
Der Konventmeister hält den Schlüssel
zur Weihe in seiner rechten Hand,
er hebt ihn hoch, damit ihn alle sehen können.
Was hat mich hierher geführt, die Winde, die Gezeiten,
die Fluten, das Locken des Meeres in mir?
Ich sehe zu, wie er mir den kleinen Wurm entgegenbringt,
den rituellen Schlüssel, der verschluckt werden muss,
bevor ich einer von ihnen sein kann.
Mein zitterndes Herz jubelt über das Neue,
das dies mit sich bringt, doch mein Bauchgefühl
schreit mich an, diesen Ort zu verlassen,
diesen baumelnden, nackten kleinen Wurm zurückzulassen,
den ich verschlucken soll,
die trügerische Sicherheit der Gruppeninitiation.
Doch ich bin bereit, einen Fehler zu machen.
Plötzlich ein Ruck – ich wache auf.
Mein Bett warm und einladend,
der Traum mit dem Wurm fast verlockend,
zurückzukehren.
Ich ging, bevor sie mich einweihen konnten.
DER INNERE SETH
2012
Am meisten Angst macht einem das,
Was einen tief im Inner'n faßt.
So schleichen sich gar dann und wann
Die Allvertrauten an ein' 'ran.
Erst will man sie am Kragen packen
Und jämmerlich in Stücke hacken.
Zum psycholog'schen Leichenschmaus
Der Seth holt seine Sichel 'raus.
Sodann er sich ans Werke macht,
Er flucht, er zittert, kotzt und hackt.
Die Isis, die steht schon daneben,
Vermag zu bremsen nicht das Beben.
Osiris mittlerweile klein,
Seth fängt von Isis eine ein.
Die sammelt unterdessen wieder
Osiris ein anhand von Liedern,
Bis alles ist, wie's vorher war,
Und Zyklenlauf Horus gebar.
Drum hab' kein' Angst, wenn's tief dich faßt,
Wenn Allvertrautes in dich rast,
Der Götter Lauf spiralt durch dich,
Du bist Osiris, Seth und Licht,
Trotz deiner Barrieren Leid,
Bewahr' dir deine Heiterkeit.
ZEIT ZU SEIN
2012
Erinnerungen aus tausend Träumen
Erblicken mich, ich schweige.
Und schaue zu, schwelge hinein, spüre Substanz.
Keine Distanz hält mich zurück,
Ich war, ich bin, ich bleibe.
Würde mich gern mehr verbinden
Mit dem, was ich einst wußte,
Bei Flackerschein und Schummrigkeit
Gar gern davon erzählen.
So viel wir alle zu erzählen haben,
Wir sind die kühnsten Entdecker.
Wenn sie nur wüßten!
Wenn sie nur wollten!
Angst haben sie
Vor ihrer eigenen Wahrheit –
Was kann ich tun? Frag ich da.
Mach' ich mich präsent, mach' ich mich rar?
Spiel bleiben muß es,
Und doch voll respektiert.
Kennen sie ihre eigenen Welten nicht,
Oder haben sie einfach vergessen?
Mir scheint, sie wollen besitzen,
Was ja nicht zu besitzen geht.
Wo beginnt der eigene Horizont,
Wo hört er auf?
Was läßt dich hinterfragen,
Was öffnet deinen Geist?
Was öffnet dein Herz?
Das Herz bedingungslos zu öffnen und,
Wenn es denn passiert, zu sterben,
Anstatt andere zu töten.
Und wer weiß. Vielleicht bringt
Das bedingungslos geöffnete Herz
Uns nicht das Sterben,
Sondern das Leben.
DRUM BIN ICH ZÄRTLICH ZU DER WELT
2013
Im Gefühl verweht steh' ich vor dir,
Die Welt, sie wird mir seltsam;
Mein Herz, der steinerne Stern,
Bist mir so nah und doch so fremd.
Wer bist du, und wo wollten wir hin?
In traumgedachten Nächten treffen wir
Das, was wir Liebe nennen,
Und was wir doch kaum kennen.
Wie Kinder in Bächen spielen,
Fangen wir die Schmetterlinge unserer Seele ein,
Als wollten wir uns alles aufeinmal
Gegenseitig in einem Sack überreichen.
Und so wandeln wir in diesen Körpern,
Dimensionen voneinander getrennt,
Und hoffen, daß wir es doch auch hier
Noch irgendwie schaffen zu begreifen.
Die Spiegel dieser Welt zeigen mir dich,
Die Physik unserer Liebe ist der Raum,
Den wir uns gegenseitig anfüllen,
Und so berühre ich immer nur das Deine.
Drum bin ich zärtlich zu der Welt,
Die mich jetzt hier umschließt,
Ich will sie nicht verletzen;
Denn wenn du weinst, weine auch ich.
DIES SIND DIE ZEITEN
2015
Dies sind nicht die Zeiten der stillen Akzeptanz,
Dies sind die Zeiten des Redens, des Streitens,
Des Tanzens, des Begehrens, des Störens,
Des Verdrehens, des Verkehrens;
Und vielleicht ist dies besser als die Zeiten
Des Schweigens, des Verharrens im Schein,
Des Unantastbarbleibenwollens und der Angst
Vor Berührung, vor Zerstörung, vor Genesung.
Dies sind nicht die Zeiten der völligen Ruhe,
Dies sind die Zeiten des Hammers,
Der auf den Tisch gefallen ist,
Der das Spiel neu sortiert;
Und wer will mich strafen, daß ich läch'le,
Wenn das Leben so stark atmet, so wild rennt,
Durch die Gärten seiner Seelen, deren Herzen
So stark klopfen, daß die ganze Welt am Beben ist?
Manchmal, da schaue ich leise in den Wind,
Der durch die Augen aller Wesen weht,
Dorthin, wo die Geschichten noch am blühen
Und die Kinder die Könige der Träume sind;
Dort allein verbringt mein Herz seine uralte Wacht,
Beschützt es Freude, Spiel und Güte,
Weiß es um das Ahnen der Lebensmitte,
Weiß es, daß wir ganz sind und Illusion die Schwärze der Nacht.
DER SPIEGELBERG
2016
Ich ging in Welten kühn, die ich nie hatt’ vernommen,
Belebte mancher Seele ehern Hauch,
Durchflog die starren, kühlen Wände mal beklommen,
Mal voller Furcht, doch niemals gab ich auf.
In unbekannten Gärten sucht’ ich Pfade,
Zu einem Leben, das ich nie gekannt
Und kam an einen Brunnen meiner Frage,
Wo unter Mond an Mitternachten dort ein Jüngling stand.
Mein Herz, das machte sieben Weltmeerschläge,
Wie eine Uhr schlug es im zarten Stundenglas,
Wir schwiegen und doch zog es in uns rege,
Ein mystisch Band, das Seelen ineinanderlas.
Wie wir so standen, da blühte auf der Garten,
Den ich so lange einst gesucht, doch niemals fand,
Und ich erkannte in dem Jüngling alle Gärten,
Und er kam zu mir, zu öffnen seine Hand.
Da sah ich das Geheimnis dieses Jungen,
Behütet lag es da vor mir im Wind,
Es war mein Herz in seinen Händen tief umschlungen,
Dasselbe Herz, das ich einst an ihn gab (als Kind…).
Jetzt sang die Minne mir die Antwort auf die Frage
Zurück all das, was ich einst hatt’ gewußt,
Der Spiegelberg verlor all seine Klagen,
Und es verlangte beiden nach dem Kuß.
So ging ich hin zu ihm und öffnete die Hände,
Die meinen, in denen sein Herz so lang schlug,
Und unser beider langes Warten fand ein Ende,
Es war dasselbe Herz, das ich auf Händen trug.
IM TRAUME KAM ICH OFT NACH HAUS
2018
Der Abend öffnet das Gemüt,
Kein Wort verdirbt mehr das Gedachte;
Geheimnisvolles Lichtlein glüht
Hinein ins Herz, das immer wachte.
Im Traume kam ich oft nach Haus‘,
Wo eines ander’n Traume lebte,
Empfing mich liebevoll der Tag,
Wo Nacht sich durch die Stoffe webte.
O sag‘ mir, Traum, wie soll ich leben,
Wenn deine Liebe so immens?
Und wie dir Wunderbares geben,
Wo Wunder nur ist, was du kennst?
In deinen Rätseln fang‘ ich Sterne,
Die niemals in den Himmeln war’n;
Von deinem Geist trink‘ ich so gerne,
Werd‘ den Geschichten niemals Gram.
So übertret‘ ich deine Schwelle,
Vor der es wohl den Vielen bangt
Und trinke tief aus deiner Quelle,
In die es mein Herz ewig heimverlangt.
ARIADNES LIED
2020
Ich wusste, meine Fragen würden ins Leere laufen,
Würde nur andere ich fragen;
Die Helden riefen mich kühn, „Reise,
Folge deiner Liebe in die Dunkelheit!“
Steinig war der Pfad, und dornengespickt,
Doch wäre die Rose mir verborgen geblieben, hätte ich nicht die Wildnis passiert,
Und blind wäre ich geblieben für die Zeichen,
Hätte ich den Dämonenbaum gemieden.
Labyrinthisch,
Die Macht der Logiker,
Verschleiertes Füllhorn –
Ich bin ein Hüter des Windes.
Viele kamen, viele dienten, doch wer sah
Die Visionen der sich anbahnenden Zukunft?
Ich ritt mein purpurnes Ross, stolz,
Die Stille zu vernichten, die in die Herzen gefallen war.
Und als ich endlich des Minotaurus' Innerstes erreichte,
Wie überrascht war ich zu begreifen, dass wir geküsst
Schon vor tausend Monden –
Dieser Spiegel, den ich Äonen gekannt: meine Liebe.
TRAUM
2021
Wir Menschen
träumen,
weil die Natur
den Traum
in sich
trägt.
TRAUMGEBOREN
2023
Irgendwo auf dem Pfad
Zwischen Freiheit, Frage,
Antwort und Kuss
Fanden wir uns,
Banden wir uns im Traume.
Mein verwirrtes Herz
Und sein ehrlicher Trieb
Erlösten uns
Von den Fesseln der Physis,
Den Ketten des Schmerzes.
Zwei verirrte Seelen im Wind,
Spannen wir uns'ren Kokon,
Wurden nächtliche Heimat uns,
Ankerlichtpunkte im schwarzen Weltall,
Wo ein jeder allein auf sich gestellt.
Wir wollten nicht lieben,
Wollten nur fühlen,
Zwei Verdurstende in der Wüste,
Einander Serum und Kelch,
Versprechen ohne Zeugen.
Warum wir so liebten,
Wir wussten es nicht,
Wussten nur zu küssen,
Denn von allem zu Wissenden
War dies das Gewusste.
Und so tauchte ich tief ein
In das Fremde des Fremden,
Traumgeboren wir in einander,
Wissend, dass ich ein Traumbild
Für ihn wie er für mich.
TOD UND KUSS
2023
Die kalte Materie, die mich umgibt,
Ist anders als das, was ich bin.
Sie ist das Unbelebte,
Das, was liegt,
Ich bin das Belebte,
Das, was steht.
Das Element der Überraschung
Ich,
Störer der Ruhe des Steins,
Ich.
Bewusstsein ist der Effekt des Wunders,
Das sich selbst übersieht,
Und doch…
Die Melodien des Singsangs der Winde
Bezeugen das, was einst Ohr werden wird,
Einst zu Sprache sich verdichten
Und Mündern neue Bestimmung
Zuteil werden lassen wird.
Ab hier gibt's nur den Tod,
Sagt die Idee
Und verflüchtigt sich
Im Orkus des Vergessens,
Der das Leben doch nie besiegte.
Ab hier gibt's nur den Kuss,
Sagt die intellektuelle Energie
Und hat schon gesiegt.
HEILIG
2023
Heilig sind mir die Momente der Ruhe.
Heilig der Zauber des inneren Sees, dessen Spiegel nichts trüben kann.
Heilig das Lächeln auf meinen Lippen, über das Herrliche, das mir zuteil.
Heilig das Glück, das ich fühle, das Glück, das mich heim in den Traum trägt.
Heilig die Zuverlässigkeit der Liebe, die mich für immer empfängt, mich Sünder, mich Teufel.
Heilig, dieser ewige Moment, der die Unterströmung all meiner Erlebnisse prägt.
Heilig der Kuss, der für immer auf meinen Lippen weilt.
NIE ENDETE DER SCHLAF DAS LICHT
2023
Manchmal reißt mir die Liebe
das Herz in der Brust entzwei,
und ich lächle,
über dieses Zugeständnis
an die Kraft,
die zwei zusammenhält.
Der Traum ist größer
als das Leben,
das ohne den Traum
keine Geschichte hätte
und ohne die Geschichte
keinen Sinn.
Sie glauben,
der Traum käme vom Leben,
Wir aber wissen,
das Leben ist traumgeboren.
Und so kehren wir heim
in der Nacht,
deren kosmische Pfade
unsere Seelen nähren,
und wir kehren heim in den Tag,
in den es unsere Seelen ruft.
Der Trick ist,
das Beste beider Welten
in seiner Tiefe auszukosten,
und den Traum nicht zu begrenzen,
durch Furcht vor Möglichkeit.
Nie endete der Schlaf das Licht,
das Herz niemals die Liebe,
und wie der Traum
uns zueinander führt,
so zeigt uns auch das Leben,
was wir noch wissen können,
wie wir noch lieben wollen,
auch wenn Vergessen
uns'ren Geist erfasst.
So mancher Traum bleibt haften
und befreit uns sorgsam
von den Pflichten
im Buche der Vernunft –
und macht den Tag ein wenig süßer
und das Menschsein etwas leichter.
IM TRAUM
2023
Des Nachts,
wenn ich dich durchwandere
wie ein Haus,
dessen Schlüssel du mir anvertraust
und deine Geheimnisse erkunde
wie Geschichten,
die nur für mich geschrieben sind,
das Buch deiner Seele,
das mich einlässt
und nicht mehr hinaus,
aus deinen Landkarten und Räumen,
den betretbaren Welten der Ideen,
wenn deine Präsenz
meinen diebischen Erkundungsgang
mit einem Lächeln beendet,
und du dich freust,
weil ich zu weit gegangen bin,
als sei ich irgendeine Trophäe
der unhaltbaren Gedanken,
wenn du mich küsst,
als gäbe es uns,
als wären wir einander Anker
in sturmböigen Traumwirrungen,
durch die nur unsere Lippen
unsere Zwischenwelthaftigkeit
in unsere Herzen schreiben können,
während wir ineinander ertrinken,
als würde es den Morgen nie geben,
als hätten wir irgendeine Wahl,
als seien wir die Antwort
und die Frage.



